Pferdefütterung

Pferdefütterung

Welcher Pferdebesitzer stand nicht schon in diversen Reitsportgeschäften und fühlte sich schier erschlagen von dem immensen Angebot an Futter. Da stellt sich oft die Frage: Was ist richtig, was ist falsch? Braucht mein Pferd den ganzen Kram überhaupt? Welches Futter ist das Beste? Und ja, auch ich habe mich schon oft in genau dieser Situation befunden und meine Zeit damit verbracht endlos die Inhaltsstoffe auf den verschiedenen Säcken zu lesen.

Sehen wir uns mal ein Beispiel an. Ich habe bewusst ein Müsli gewählt, welches man ohne Probleme in fast jedem Reitsportgeschäft zu kaufen bekommt. Es wird als besonders Vitalstoffreich beworben. Bei diesem Müsli wurde als Hauptbestandteil Gerste und Mais gewählt – wie eigentlich fast immer. Habt ihr euch schon einmal den Energiewert der Gerste angeschaut? Nach der hydrothermischen Behandlung, also das „Flocken“, ist dieser nämlich tatsächlich höher als beim Hafer. Bei 1,0kg Hafer, würden ca. 0,9kg Gerste ausreichen um denselben Energiewert zu erzielen. Auch beim Mais bietet sich ein ähnliches Bild. Bei 1,0kg Hafer reichen hier sogar 0,8kg Mais. Aber mal ehrlich – wird nicht oft mehr Müsli als reiner Hafer gefüttert?

Trester, Weizengrießkleie und Rübenmelasseschnitzel. Meiner Meinung nach erschreckend, dass diese Produkte relativ hoch konzentriert eingesetzt werden. Letztendlich sind es nur Abfallprodukte. Apfeltrester ist nichts anderes, als die Überreste, die nach dem Pressen übrig bleiben. Nämlich Schale und Kerngehäuse, im Müsli dann in getrockneter Variante. Trester hat oft einen Zuckergehalt von über 10%. Darum sollten gerade die Pferde mit Reheerkrankungen und EMS so etwas komplett meiden. Weizengrießkleie? Leider nicht viel besser. Es sind die zurückgeblieben Hülsen des Weizenkorns, nachdem die Stärke zum größten Teil herausgeholt wurde. Der Nährwertgehalt ist sehr gering, zudem hat es eine abführende Wirkung. Pferde, die bereits zu Kotwasser neigen können hierdurch sogar noch mehr Probleme bekommen. Rübenmelasseschnitzel? Noch weniger gut. Ein Abfallprodukt bei der Zuckerherstellung aus Zuckerrüben. Der reinste Dickmacker. Zudem sollten sie, falls sie gefüttert werden, mehrere Stunden mit Wasser aufgequollen werden. Wer weicht schon das Müsli seines Pferdes ein? Der Rest? Nunja, kann man machen, muss man aber auch nicht. Lieber füttere ich ein hochwertiges Mineralfutter und erziele damit einen deutlich höheren Erfolg. Ich möchte nicht jedes Produkt schlecht machen, welches es von den Herstellern zu erwerben gibt – auch hier gibt es selbstverständlich Ausnahmen. Ich würde mir nur wünschen, dass sich die Besitzer wesentlich mehr Gedanken um eine gesunde und ausgewogene Pferdefütterung machen und nicht alles in das Pferd stopfen, nur weil es dies fertig zu kaufen gibt, oder schlichtweg zu bequem sind.

Warum nicht selbst mischen? Warum kein Einzelfuttermittel?

Ich persönlich füttere reinen Hafer. Und nein – ich habe nicht einmal Probleme mit einem zu „heißen“, oder „hypernervösen“ Pferd gehabt. Mein Wallach hat recht viel Temperament, meine Stute ist genau das Gegenteil. Ich habe keinen Unterschied bemerkt – bis auf die deutlich höhere Leistungsbereitschaft bei einem absolut klarem Kopf. Was letztendlich das richtige für eure Pferde ist müsst Ihr entscheiden. Aber bitte nehmt es euch zu Herzen: Manchmal ist weniger mehr.

Related Posts

Leave a Comment