Saat

Fruchtfolge und Feinabstimmung

Nach dem Abschluss unserer diesjährigen Maisernte gab es für uns am Hof in den letzten Wochen so einiges zu tun! Die abgemulchten Maisfelder mussten bearbeitet werden und, wie alle anderen Felder, für die Aussaat unseres Wintergetreides vorbereitet werden. Was hier genauer geschehen ist und warum die Bodenbearbeitung für uns so elementar wichtig ist, versuche ich euch in einem der nächsten Beiträge zu erläutern. Aus aktuellem Anlass aber vorerst ein paar Informationen zur Aussaat.

Ihr habt mit Sicherheit die letzten Wochen den ein oder anderen Landwirt auf seinen Feldern bei der Saat beobachten können. Meist sieht es so aus als würde am Schlepper ein großer Kasten gemächlich über den Acker gezogen werden. Doch bei diesem Arbeitsgang legen wir den Grundstein für die Ernte im nächsten Jahr. Denn: ohne Saat keine Ernte!

Aussaat

Abb. 1: Erfolgreiche Aussaat des Getreides

Jedoch ist Säen nicht einfach nur Getreidekörner im Boden verstecken, damit daraus neue Getreidekörner wachsen… Nein! Es gibt bei der Aussaat extrem vieles zu beachten. Zunächst einmal gibt es bei uns eine sogenannte Fruchtfolge. Diese ist wichtig um den Boden und die Bodenlebewesen zu erhalten um keine Krankheiten auf den Feldern zu züchten. Die Fruchtfolge ist schlichtweg eine Aneinanderreihung verschiedener Früchte im Wechsel. Eine Variante, wie sie bei uns sein könnte: Winterraps, Winterweizen, Silomais, Wintergerste. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass alle vier Jahre die Fruchtfolge wieder von Neuem beginnt. Dies ist keine willkürliche Aneinanderreihung, sondern es steckt ein ausgeklügeltes System dahinter. Darüber werdet ihr  in einem weiteren Beitrag mehr erfahren.

Wenn unsere Frucht für das zu bestellende Feld also ausgewählt ist, gibt es wiederum eine Fülle an Sorten, die verschiedene Eigenschaften mit sich bringen. Beispielsweise die Qualität des Ernteproduktes, wie der Eiweißgehalt beim Weizen, die Resistenz oder Toleranz gegenüber verschiedener Krankheiten, dem Abreifezeitpunkt und noch sehr viele weitere Kriterien. Als Landwirt muss ich nun aus all diesen Sorten eine heraussuchen, die am besten zu den Bedingungen an meinem Standort passt. Ist das Saatgut bestellt, wird es meist vom Landhändler in wenigen Tagen geliefert. Passt mein Wetter zum Säen im Herbst, so muss ich zusehen, dass ich meine Sämaschine anhänge und richtig einstelle. Der Aussaattermin für die unterschiedlichen Getreidearten ist nicht für alle der gleiche. So wird der Raps bei uns etwa Mitte August ausgesät. Raps ist im Aussaatzeitpunkt relativ unflexibel. Die Gerste ist hier schon deutlich flexibler. Diese säen wir von Anfang September bis Ende September. Am flexibelsten im Saatzeitpunkt ist der Winterweizen. Dieser kann von Ende August bis Mitte Dezember in die Erde gebracht werden, sofern die Bodenverhältnisse mitspielen. Meist säen wir bei uns am Betrieb den Weizen von Ende September bis Mitte Oktober.

Aussaat Beßler

Abb. 2: Aktuelle Aussaat

Je nach Saatzeitpunkt variiert auch die Aussaatstärke des Getreides. Grundsätzlich gilt hier: je früher die Aussaat, desto weniger Körner säen wir pro Quadratmeter. Je später die Aussaat, desto mehr Körner müssen wir säen. Nun kann ich jedoch bei meiner Sämaschine keine Körnchen zählen, die auf einem Quadratmeter herausfallen. Also ermitteln wir die ideale Aussaatmenge über eine Formel:

Das Tausendkorngewicht und die Keimfähigkeit sind jeweils vom Hersteller gegeben und stehen auf dem Sackanhänger des Saatgutes. Die sogenannte „Abdrehprobe“ meiner Sämaschine erfolgt flächenbasiert. Hier gibt der Hersteller an, wie viele Umdrehungen des Särades (treibt den Antrieb der Sämaschine an und läuft auf dem Boden) z.B. 1/10 Hektar sind. Außerdem sind meist Tabellen zur groben Einstellung des Getriebes der Sämaschine gegeben. Die Abdrehprobe wiederhole ich so lange, bis ich auf den von mir errechneten Wert komme, denn nur dann stimmt die Aussaatstärke am Feld. Abschließend stelle ich mir noch die Ablagetiefe meines Saatgutes an der Sämaschine ein. Dies erfolgt über die Säschare. Hier gilt die Faustformel: Durchmesser des Saatgutes in mm = Ablagetiefe in cm. Allerdings ist auch hier je nach Witterungsverhältnissen manchmal eine abweichende Entscheidung nötig.

Getreide säen ist nicht einfach nur Körner in den Tank leeren und aufs Feld fahren. Es gehört, wie im Beitrag nachzulesen, sehr viel mehr dazu!

Wir Landwirte erlernen das Wissen übers Säen und vielen anderen wichtigen Themenschwerpunkten rund um die Landwirtschaft in unserer dreijährigen Ausbildung. Jedoch ist auch eine große Portion Erfahrung von Nöten, die sich nur durch jahrelanges ausprobieren und beobachten ergibt. Auch wir Landwirte lernen nie aus!

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